Frankreich vor der Stichwahl: Macron ist Favorit

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Vergrößern Teilen und Details dpa Karlheinz Schindler Gila Lustiger 2016 in der ZDF-Talksendung"Maybrit Illner

Ein ehemaliger Minister der diskreditierten Regierung der Parti socialiste (PS) und eine Neo-Faschistin schrien sich gegenseitig an und beleidigten sich.

Die zweieinhalbstündige Debatte am späten Mittwochabend war von Beschimpfungen und persönlichen Angriffen geprägt, die im bisherigen Wahlkampf beispiellos sind. Die FN-Chefin nutzte den Moment, um Macron ihrerseits eine zu große Nähe zu Bundeskanzlerin Angela Merkel vorzuwerfen. Er kündigte an, per Dekret zu regieren, Tarifverträge auszusetzen und Produktivitätssteigerungen durchzusetzen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhöhen. Emmanuel Macron steht für ein Europa der offenen Grenzen und für den Aufbruch. Nun dürfen Frankreichs Wähler entscheiden, ob Le Pen oder Macron an der Spitze ihres Landes stehen soll. Umfragen sagen einen klaren Erfolg des früheren Wirtschaftsministers in der Stichwahl um das Präsidentenamt voraus.

Den Linken, die den vermeintlichen Neoliberalismus Macrons so sehr ablehnen, dass sie ihn nicht einmal einer rechtsextremen Kandidatin vorziehen, ist genauso wenig zu helfen wie den konservativen Katholiken, denen eine Abschottung Frankreichs von der Welt wichtiger ist als Liberté, Égalité und Fraternité. Die meisten Wähler der anderen Kandidaten werden für Macron stimmen. Das veranschaulichte auch das TV-Duell am Mittwoch. Die Tageszeitung "Le Parisien" zitiert FN-Anhänger, die Marine am Rande ihres letzten Meetings in Nordfrankreich kritisierten: "In der Debatte mit Macron hat sie Mist gebaut, sie war viel zu aggressiv", sagt einer. In Frankreich gilt nach einer Terrorserie immer noch der Ausnahmezustand. Grundlegende demokratische Grundrechte wurden damit ausgesetzt.

Bleibt Frankreich in EU und Euro-Zone?

Sie würden "über die Grenzen von einem Land zum anderen ausweichen". 34 Prozent fanden die Rechtspopulistin Le Pen überzeugender. Wird er, selbst Teil der politischen Elite, die Verkrustungen im Sozialgefüge glaubhaft und nachhaltig aufbrechen, die französische Gesellschaft durchlässiger, aufstiegsfördernd machen?

Le Pen bezichtigte Macron, Frankreich dem Nachbarn Deutschland zu unterwerfen. Seiner Tochter wird nachgesagt, den Front National aus der extrem rechten Ecke geholt zu haben. Der Linkskandidat hatte im ersten Wahlgang 19,6 Prozent der Stimmen bekommen. Damals löste diese Entwicklung nicht nur Massenproteste mit Millionen Teilnehmern aus, sondern auch Sorge innerhalb der herrschenden Klasse. Sie ist noch gefährlicher als ihr Vater, der die Gaskammern in den deutschen KZ's als "Detail der Geschichte" verharmlost hat, weil Marine Le Pen die Maske der Mäßigung aufsetzt und manche Franzosen darauf hereinfallen. Der wahre Grund war jedoch seine Angst vor der Reaktion der Öffentlichkeit.

Stimmt die Mehrheit der Franzosen für Weltoffenheit? "Frankreich wurde durch Ihre Freunde ins Chaos gestürzt", giftete sie. Die Folgen sind verheerend.

Meinungsforscher sehen Macron deutlich vor Le Pen, derzeit mit rund 60 Prozent. Durch die Grenzregion sind wir in besonderer Weise mit den Franzosen verbunden. Auf Transparenten war zu lesen: "Weder Le Pen noch Macron, weder das Vaterland noch der Boss" - eine Anspielung auf Le Pens nationalistische Ansichten und Macrons Beziehungen zur Wirtschaft. Die Wurzeln dieser Partei gehen direkt auf die Kollaborateure zurück, die Frankreich während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg regiert hatten. Das politische System steckt in einer tiefen Krise. Ganz anders Macron. Der 39-jährige politische Quereinsteiger will eine stärkere Integration der EU. Genüsslich legte er Le Pens Wissenslücken offen.

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