Viele Mütter dulden Kindesmissbrauch in Familien

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Bericht: Viele Mütter duldeten Kindesmissbrauch in Familien

Zu diesen Ergebnissen ist die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs in ihrem ersten Zwischenbericht gekommen, den sie heute in Berlin vorgestellt hat. Von der Politik verlangt das Gremium eine stärkere Unterstützung für die Betroffenen und mehr Zeit und Geld für seine eigene Arbeit. Damit habe diese signalisiert, "dass die Gesellschaft bereit ist, Verantwortung zu übernehmen". Sie werde sich dafür einsetzen, die Mittel für die erfolgreiche Arbeit der Kommission aufzustocken. Die Kommission untersucht sämtliche Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in der Bundesrepublik und in der DDR. Der Zwischenbericht gebe einen intensiven Einblick in das Leid missbrauchter Kinder und das Versagen ihres Umfelds.

Von den rund tausend Betroffenen, die sich bislang an die Kommission wandten, wurden laut dem Bericht 70 Prozent Opfer von Missbrauch in der Familie oder im engeren sozialen Umfeld. Mütter treten danach zwar auch als Einzeltäterinnen auf, aber vorwiegend als Mitwissende und Unterstützerinnen der Taten. Täterinnen waren sie dagegen selten. Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hatte im Vorfeld gesagt, der Bericht sei "tief erschütternd". Erst Jahre später können viele Betroffenen ihre Geschichte erzählen - doch wer hört dann noch zu? Die Untersuchung zeige aber auch, wie wenig Mütter sich bei finanziellen und emotionalen Abhängigkeiten vom Partner zu helfen wüssten. "Das Dunkelfeld ist noch sehr viel größer", so Rörig. Er nennt ein Beispiel aus Süddeutschland.

"Manche Betroffene haben zum ersten Mal über ihre Erlebnisse gesprochen", betonte Rörig. "Ich bin sehr froh, dass wir der Regierung diese unabhängige Kommission gegen den Widerstand in der Großen Koalition überhaupt abgerungen haben".

Er beklagte, dass die Zahl der Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch bisher nicht zurückgegangen sei. Die Bekämpfung des Missbrauchs sei in der Zeit der großen Koalition "auf politischer Sparflamme" gelaufen. Politik und Gesellschaft seien in den vergangenen Jahren abgestumpft. Konkret heißt das, dass viele Missbrauchsopfer im Erwachsenenalter arm sind.

Mit Blick auf die Aufarbeitung kritisierte er Bundessozialministerin Andrea Nahles (SPD). Auch das Opferentschädigungsgesetz, das für Opfer sexueller Gewalt hohe Hürden bereithalte, müsse dringend reformiert werden, erklärte Christine Bergmann, ehemalige Familienministerin und Kommissions-Mitglied. Rörig sprach von einer "Riesenenttäuschung". Das Verfahren, welches Betroffenen derzeit zugemutet werde, sei dem Rechtsstaat nicht würdig. Eine Reform des Gesetzes steht seit längerer Zeit aus.

Er sieht sexuellen Missbrauch nicht allein als Problem der Vergangenheit. Ein vom Bund und einigen Bundesländern aufgelegter Hilfsfonds, der eigentlich als Übergangslösung geplant war, wurde deswegen schon verlängert. Die Kommission wird bis 2019 - zum Ende der Amtszeit des Missbrauchsbeauftragten Johannes-Wilhelm Rörig - mit rund 1,4 Millionen Euro pro Jahr finanziert. Die Weltgesundheitsorganisation geht von etwa 18 Millionen Minderjährigen aus, die in Europa von sexueller Gewalt betroffen sind. 200.000 Euro gibt das Bundesjustizministerium.

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