Mehr Menschen denn je in der Welt auf der Flucht

65,5 Millionen Menschen waren 2016 auf der Flucht

APA APA /PETROS GIANNAKOURIS

Am höchsten war Ende 2016 weiterhin die Zahl der Binnenvertriebenen: Die Zahl der Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes geflohen sind, lag den Angaben zufolge bei 40,3 Millionen - Ende 2015 waren es noch 40,8 Millionen. Und deshalb würde die Situation für Flüchtlinge noch schlimmer werden. Neu wurden 10,3 Millionen Menschen in die Flucht getrieben.

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind unter den 65,6 Millionen Menschen, die Ende 2016 auf der Flucht waren, 22,5 Millionen Menschen, die aus ihrer Heimat geflohen sind, weitere 40,3 Millionen Menschen, die innerhalb ihres Heimatlandes vertrieben wurden und 2,8 Millionen Asylsuchende. Das steht in der Jahresstatistik des Uno-Hochkommissariats für Flüchtlinge (UNHCR), die heute veröffentlicht wird. Vor dem 2011 begonnenen Bürgerkrieg in Syrien flohen den Angaben nach zwölf Millionen Einwohner, Syrien ist laut dem UNHCR die größte Vertriebenenkrise weltweit.

Gegenüber 2015 ist die Zahl jedoch nur um 300'000 gestiegen. Statistisch gesehen bedeutet dies: 2016 musste alle drei Sekunden ein Mensch fliehen - eine geringere Zeitspanne, als es braucht, diesen Satz zu lesen. Die meisten Vertriebenen kommen aus Syrien. Der größte neue Faktor im Jahre 2016 war jedoch der Südsudan, wo der katastrophale Zusammenbruch der Friedensbemühungen im Juli zu einer Massenflucht von 739.000 Menschen bis zum Jahresende führte (aktuell sind es mittlerweile 1,87 Millionen). Das UNHCR befürchtet Ermüdungserscheinungen bei den internationalen Geldgebern: In diesem Jahr wurden erst 23 Prozent der versprochenen Gelder tatsächlich bewilligt. Insgesamt hat sich die Zahl der Menschen auf der Flucht innerhalb von zehn Jahren fast verdoppelt. Die Mehrheit, 1,9 Millionen, sind intern Vertriebene. Die meisten Flüchtlinge aus dem Südsudan halten sich derzeit in den Nachbarländern Uganda, Kenia und Äthiopien auf. Jeder fünfte stammte aus Syrien. In Jordanien, dem Land mit der zweitgrössten Flüchtlingspopulation pro Kopf, ist es jeder Elfte.

84 Prozent der Menschen fanden in Entwicklungsländern Zuflucht. Grandi sagte auch, es bereite ihm Sorgen, dass die Industrieländer ihre Asylpraxis verschärften, während die Entwicklungsländer weiterhin die Hauptlast bei der Aufnahme von Geflüchteten trügen.

Die Zahl der neuen Asylanträge bleibt auch für 2016 unverändert bei zwei Millionen. Auch hier steht Syrien, vor dem Irak und Kolumbien, an der Spitze der Länderstatistik. Abgesehen von der lange andauernden palästinensischen Flüchtlingssituation stellen Afghanen die größte Bevölkerung (4,7 Millionen), gefolgt von Irakern (4,2 Millionen) und Südsudanesen (weltweit mit 3,3 Millionen Betroffenen die am schnellsten wachsende Bevölkerung auf der Flucht). Im Vorjahr waren es noch 2,4 Millionen gewesen.

"Welchen Maßstab man auch nimmt, diese Zahl ist nicht zu akzeptieren". Fast die Hälfte der unbegleiteten Minderjährigen beantragte in Deutschland Asyl. In Deutschland wurden dabei weltweit die meisten Anträge (722.400) gestellt. Auf dem zweiten Platz folgen die USA mit 262'000. Man müsse mehr unternehmen, um Ursachen für Flucht und Vertreibung zu lösen. Die Zahlen basieren auf Statistiken von Nichtregierungsorganisationen und Regierungen.

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