Zwei Deutsche am Flughafen der Touristenhochburg Antalya festgenommen

Demonstration fuer die Freilassung von Deniz Yuecel

Demo zur Freilassung von Deniz Yücel im Frühjahr- mittlerweile ist der deutsche Journalist seit 200 Tagen in Haft

Nürnberg - Bundeskanzlerin Angela Merkel erwägt nach der Festnahme von zwei weiteren Deutschen in der Türkei eine schärfere Politik gegenüber Ankara. Unter diesen Umständen kämen Gespräche über eine Ausweitung der Zollunion zwischen der EU und der Türkei nicht infrage. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz reagierte sofort auf die Nachricht von der Festnahme und forderte eine härtere Gangart im Umgang mit der Türkei. Mindestens vier der zwölf hätten die doppelte Staatsbürgerschaft.

"Herr Erdogan versteht nur die Sprache der Härte", so Lindner weiter. "Angesichts der Ereignisse am heutigen Tage müssen wir sie vielleicht auch weiter überdenken", fügte sie hinzu. Er bezeichnete die Türkei-Politik der Bundesregierung als gescheitert. "Jedes Entgegenkommen Europas ist ein Tritt in die Kniekehlen der Opposition". Schulz sprach sich auch dafür aus, die sogenannten EU-Vorbeitrittshilfen für die Türkei auf den Prüfstand zu stellen und möglicherweise die Reisehinweise zu verschärfen. Deshalb müssten nun alle Ampeln auf Rot geschaltet werden. Im Moment seien 55 deutsche Staatsangehörige in türkischer Haft, davon inklusive der zwei jüngsten Fälle 12 aus politischen Gründen. Dafür sei kein Platz in Europa.

Regierungssprecher Seibert sagte mit Blick auf den seit 200 Tagen inhaftierten Journalisten Yücel, die gesamte Bundesregierung sei nicht nur in diesen Tagen in Gedanken bei ihm.

Grünen-Chef Cem Özdemir sagte der "Bild"-Zeitung: "Erdogan ist kein Präsident, sondern ein Geiselnehmer". Die Situation sei so ernst, "dass ich niemandem mehr mit gutem Gewissen sagen kann, dass man in der Türkei derzeit sicher ist", fügte Özdemir hinzu.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dağdelen warf der Bundesregierung vor, zu zaudern. Die Türkei hat seit dem gescheiterten Putsch im Juli 2016 Zehntausende Personen unter dem Vorwurf der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung inhaftiert.

Die türkische Staatsanwaltschaft sieht in den Festgenommenen Gefolgsleute von Gülen, dem in Ankara die Verantwortung für den Putschversuch gegen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan im vergangenen Jahr angelastet wird.

"Die Auslandsvertretungen werden bei Festnahmen deutscher Staatsangehöriger nicht immer rechtzeitig unterrichtet, der Zugang für die konsularische Betreuung wird nicht in allen Fällen gewährt".

Unter den aus politischen Gründen in der Türkei inhaftierten deutschen oder deutsch-türkischen Staatsbürgern sind auch die Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu sowie der Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner.

Der FDP-Spitzenkandidat Christian Lindner hat Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) aufgefordert, eine offizielle Reisewarnung für die Türkei auszusprechen.

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