Wirbel um rechtsradikales Mail von AfD-Kandidatin

Stammt die Mail von Alice Weidel oder nicht

Stammt die Mail von Alice Weidel oder nicht

Nach dem Talkshow-Eklat ist nun eine E-Mail mit rassistischen Bemerkungen und Demokratie-verachtenden Thesen aufgetaucht, die von der AfD-Spitzenkandidatin stammen soll. "Die AfD von Gauland, Höcke, Meuthen und Weidel ist in Wahrheit eine Lügenpartei, die die deutsche Staatsordnung ablehnt und bekämpft". Die Politikerin sei besonders für die "Brandstiftung" ihrer Partei verantwortlich. Sie zeigte aber zugleich, was den künftigen Bundestag erwarten dürfte. Der "Welt am Sonntag" liegt aber eine eidesstattliche Versicherung des Empfängers vor: ein früherer Bekannter von Weidel in Frankfurt am Main.

Dass das bisherige öffentliche Bild Weidels nur bedingt der Realität entspricht, zeigte die AfD-Politikerin bereits kurz nach ihrer Wahl zur Spitzenkandidatin auf dem Kölner Bundesparteitag im Frühjahr dieses Jahres: Sicher auch im Sinne eines Versöhnungsangebotes mit den völkisch Nationalen war ihre Aussage zu deuten, wonach die politische Korrektheit auf den "Müllhaufen der Geschichte gehöre".

AfD-Sprecher Christian Lüth erklärte auf dpa-Nachfrage, Weidel habe ihm versichert, diese Mail stamme nicht von ihr.

Genau deshalb liegt die Vermutung nahe, dass Weidel heute (Sonntag, 10. September) das nächste Interview abbrechen - oder dieses absagen könnte: Für heute steht ein Live-Chat mit derselben Redaktion an, die am Vorabend die brisante E-Mail veröffentlicht hat. Laut "Welt" versuchte sie die Berichterstattung zu verhindern und schaltete Anwälte ein.

Laut der Zeitung heißt es in der Mail wörtlich: "Der Grund, warum wir von kulturfremden Voelkern wie Arabern, Sinti und Roma etc ueberschwemmt werden, ist die systematische Zerstoerung der buergerlichen Gesellschaft als moegliches Gegengewicht von Verfassungsfeinden, von denen wir regiert werden". "Diese Schweine sind nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2". Das zeige sich bei der Euro-Rettung und der "korrumpierten Judikative". "Wir müssen im Wahlkampfendspurt noch deutlicher machen, dass mit der AfD zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik Extremrechte und Rassisten in den Bundestag einzuziehen drohen". Unter anderem bezeichnete die Autorin des Textes die Regierungsmitglieder als "Marionetten der Siegermächte des Zweiten Weltkriegs" und zweifelte die Souveränität Deutschlands an.

Der Empfänger der Mail führte gegenüber der Zeitung zur Begründung für Weidels Urheberschaft an, dass sich die Mail in der Betreffzeile auf ein Gespräch mit ihm beziehe und wie bei Weidel damals üblich von "Lille" unterzeichnet sei. Außerdem habe Weidel ihren Spitznamen "Lille" geschrieben. Sie hat stets suggeriert, die Partei von innen heraus beeinflussen zu wollen, und ihre Erfahrungen, etwa als Beraterin in China, ins Spiel gebracht.

Die Mail würde vom 24. Februar 2013 stammen.

AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland hat die Berichte über die E-Mail scharf zurückgewiesen. Das Wühlen in privater Korrespondenz vergangener Zeiten, das stets auch die Gefahr persönlicher Rachelust provoziert, kann jedem Politiker schaden.

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