Türkei gibt Reisewarnung für Deutschland heraus

Merkel kritisiert türkische “Reisewarnung”

Merkel kritisiert türkische “Reisewarnung”

Für ihn gibt es in Berlin einen Geburtstagskorso.

Istanbul/Berlin. Eine "Reisewarnung" der türkischen Regierung für Deutschland hat die Krise mit Ankara weiter angeheizt und Kritik von Bundeskanzlerin Angela Merkel hervorgerufen. Doch jetzt rät die türkische Regierung ihren Bürgern zur Vorsicht in Deutschland. Es gehe auch darum, ihnen zu signalisieren, "dass sie in der Türkei Repressalien ausgesetzt sein könnten, wenn sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerungen wahrnehmen".

Der deutsche Kanzleramtsminister Peter Altmaier nannte die türkische Reisewarnung auf Twitter einen "schlechten Witz". Derzeit sind mehr als 50 deutsche Staatsangehörige in türkischer Haft oder in Polizeigewahrsam. Die Kanzlerin äusserte sich am Sonntag am Rand einer Wahlveranstaltung und betonte, dass jeder türkische Staatsbürger nach Deutschland reisen könne. SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz schrieb: "Wie bitter muss es sein, an seinem Geburtstag im Knast zu sitzen". "Die Regierung in Ankara verliert das Maß". Nach Angaben des Tourismusministeriums in Ankara besuchten dieses Jahr bis Ende Juli mehr als 680.000 Deutsche die Türkei, die mit günstigen Preisen vor allem Last-Minute-Urlauber aus der Bundesrepublik anlockt.

Der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir warf dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan unterdessen "Propaganda" vor. "Er will den Spaltpilz nach Deutschland tragen, das dürfen wir nicht zulassen", sagte Özdemir.

Der Vizepräsident des Europaparlaments, Alexander Graf Lambsdorff (FDP), hat ein sofortiges Ende der Verhandlungen über einen Beitritt der Türkei zur EU gefordert. EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger (CDU) sprach von "dummem Cabaret" der Türkei. Europa sei ein "gastlicher Kontinent für alle Menschen", sagte er der "Heilbronner Stimme".

Das türkische Außenministerium hat die Bürger des Landes bei Reisen nach Deutschland und die in Deutschland lebenden Türken zur "Vorsicht" ermahnt. Darüber hinaus beklagt Ankara "ungeklärte Brände" in Quartieren und Städten, in denen Türken leben, und dass Türken bei der Einreise an deutschen Flughäfen angeblich respektlos behandelt würden, lange Wartezeiten auf sich nehmen müssten und verhört würden.

Der Schritt dürfte eine Retourkutsche für die Verschärfung der Reisehinweise des Auswärtigen Amtes in der vergangenen Woche sein. "Bei uns herrscht Meinungsfreiheit und Rechtsstaatlichkeit - und darauf sind wir stolz", sagte Merkel am Sonntag. "Er sitzt nach unserer Sicht völlig unbegründeterweise im Gefängnis so wie mindestens elf andere Deutsche", kritisierte Merkel.

"Die Welt" veröffentlichte mehrere Geburtstagsgrüße für Yücel, unter anderem von Politikern und Journalisten.

Unterdessen protestierten in Berlin an diesem Sonntag Hunderte mit einem Auto- und Fahrradkorso für den in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel.

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